Donnerstag, 28. Mai 2015

Vom Lesen und Schreiben

Kann man seinen Leib durch Lesen und Schreiben befreien? Man braucht einen Text, in dem der Geist und in ihm der Autor sich selbst widerspricht, und in den der Leib des Autors als Grund des Widerspruchs eingeht und aus dem er als Erlöser und Vernichter des Geists befreit wieder austritt. Gott ist am Kreuz – zurecht und für immer – gestorben, am X oder t oder im Tee-Haus der Strafkolonie liegt er und hat den MenschenLeib damit von sich, Gott, jedem Geist befreit. Nicht des Einen Gottes Sohn ist am Kreuz gestorben. Das war eine Lüge. 'Gott selbst ward Jude' und ließ sich schlachten - im Geist, in der Einbildung. Der Leib war damit frei. Es war nur ein Bild, aber die ganze Wahrheit. Jesus aber war nur ein Zurück der wahren Geschichte, eine Korrektur der Wahrheit und Lüge, gelackte Rückprojektion, geschönte Wahrheit, umgelogener Leib. Jesus ist die erneute totale Verleugnung des vollkommenen Leibs. Seine Himmelfahrt ist Lüge und letzte verdammte Schmähung der Erde. Die Lösung ist einfach. Die Hinrichtung Gottes war leicht. Der Geist musste nur ein wenig gerichtet werden – am falschen Kreuz, dem Kreuz von der falschen Seite. Der Jüdische Leib war schon immer gerichtet am Kreuz eines aufrechten Weibs. Er weiß es bloß nicht. Er lebt im Paradies und weiß es nicht. Ewig lebt er und hat doch im Geist ein anderes Bild von sich. Er hat grundlos krumme Gedanken. Er folgt der Geraden des Leibs und weiß es nicht. Sein Gott widerspricht sich seit ewiger Zeit, schreibt ihm aber den rechten Leib vor. Als müsste einem das Glück vorgeschrieben sein. Weg mit Gott jetzt einfach noch! Das war doch eine Kleinigkeit. Das ist das Schreiben, das frei macht. Man muss nur den Autor noch in Abzug bringen. Man muss sich Gott wegdenken vom jüdischen Glauben. Was da übrig bleibt, ist die ewige Wiederkehr des Gleichen und ein Übermensch, der Juden EndZeitLeib. Das ist der Wunsch ohne Ware, der sich seines leiblichen Ursprungs bewusst ist. Das hat ein Bewusstsein, das tief unten im Leib steckt. Dort hat der eine große Wunsch seinen Grund, der unbezahlbar ist und doch jedermann leicht gleich zuteil werden kann. Der Leib kann sich äußern, auch schriftlich, und der Leib kann sich richten. Der Schreiber muss sich als Autor aufgegeben haben und der Leser muss auf den Autor verzichten. Verzicht aber ist nicht Vergessen. Das Vergessen fesselt den Leib. Der Leib vergisst nicht und schreibt. Der Geist wütet nur im Leib. Der Leib will nicht verzeihen und vergessen. Er will nur verzichten auf den Geist. Der Text muss einen Willen zum Verzicht auf Gott Autor und Geist erzeugen. Dann führt er in die Leibfreilichkeit. In ihr paaren sich Begierde/Wollust und leibbestimmte Selbstdisziplin. Das ist nicht die lächerliche Freiheit von Konsum und Freizeit. Das ist nicht die WarenLiebe und -lust, die nur den Leib verleugnet. Die Leibfreilichkeit führt zu der einen großen Liebe, die heute noch kaum einem vorstellbar ist.

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