Kann man seinen Leib durch Lesen und
Schreiben befreien? Man braucht einen Text, in dem der Geist und in
ihm der Autor sich selbst widerspricht, und in den der Leib des
Autors als Grund des Widerspruchs eingeht und aus dem er als Erlöser
und Vernichter des Geists befreit wieder austritt. Gott ist am Kreuz
– zurecht und für immer – gestorben, am X oder t oder im
Tee-Haus der Strafkolonie liegt er und hat den MenschenLeib damit von sich,
Gott, jedem Geist befreit. Nicht des Einen Gottes Sohn ist am Kreuz
gestorben. Das war eine Lüge. 'Gott selbst ward Jude' und ließ sich
schlachten - im Geist, in der Einbildung. Der Leib war damit frei. Es war nur ein Bild, aber die
ganze Wahrheit. Jesus aber war nur ein Zurück der wahren Geschichte,
eine Korrektur der Wahrheit und Lüge, gelackte Rückprojektion, geschönte Wahrheit, umgelogener Leib. Jesus ist die erneute totale
Verleugnung des vollkommenen Leibs. Seine Himmelfahrt ist Lüge und letzte verdammte Schmähung der Erde. Die Lösung ist einfach. Die Hinrichtung Gottes
war leicht. Der Geist musste nur ein wenig gerichtet werden – am
falschen Kreuz, dem Kreuz von der falschen Seite. Der Jüdische Leib war schon immer gerichtet am Kreuz
eines aufrechten Weibs. Er weiß es bloß nicht. Er lebt im Paradies
und weiß es nicht. Ewig lebt er und hat doch im Geist ein anderes
Bild von sich. Er hat grundlos krumme Gedanken. Er folgt der Geraden des Leibs
und weiß es nicht. Sein Gott widerspricht sich seit ewiger Zeit,
schreibt ihm aber den rechten Leib vor. Als müsste einem das Glück
vorgeschrieben sein. Weg mit Gott jetzt einfach noch! Das war doch eine Kleinigkeit. Das
ist das Schreiben, das frei macht. Man muss nur den Autor noch in
Abzug bringen. Man muss sich Gott wegdenken vom jüdischen Glauben.
Was da übrig bleibt, ist die ewige Wiederkehr des Gleichen und ein
Übermensch, der Juden EndZeitLeib. Das ist der Wunsch ohne Ware, der sich
seines leiblichen Ursprungs bewusst ist. Das hat ein Bewusstsein, das
tief unten im Leib steckt. Dort hat der eine große Wunsch seinen Grund, der
unbezahlbar ist und doch jedermann leicht gleich zuteil werden kann. Der Leib kann sich äußern, auch
schriftlich, und der Leib kann sich richten. Der Schreiber muss sich
als Autor aufgegeben haben und der Leser muss auf den Autor
verzichten. Verzicht aber ist nicht Vergessen. Das Vergessen fesselt
den Leib. Der Leib vergisst nicht und schreibt. Der Geist wütet nur im Leib. Der Leib will nicht verzeihen und vergessen. Er will nur verzichten auf den Geist. Der Text muss einen Willen zum Verzicht auf Gott Autor und
Geist erzeugen. Dann führt er in die Leibfreilichkeit. In ihr paaren sich Begierde/Wollust und leibbestimmte Selbstdisziplin. Das ist nicht
die lächerliche Freiheit von Konsum und Freizeit. Das ist nicht die
WarenLiebe und -lust, die nur den Leib verleugnet. Die Leibfreilichkeit führt
zu der einen großen Liebe, die heute noch kaum einem vorstellbar ist.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen