Mittwoch, 29. April 2015

Das Urteil

Zu Begierde und Wollust gehört ein verdrehter menschlicher Geist. Alles in der Natur um den Menschen hat plötzlich Lebenskraft und es ist an ihm und in ihr sein Bewusstsein. Das ist die Verwandlung des fruchtbaren weiblichen Leibs und Seins in Stock und Stein. Für den Mann stecken in diesen ersten Zeichen der Zwang und die Gewalt, die allein aus ihm auch einen Menschen machen. Mann muss den Stein bewegen, brechen. Das ist ein neues Fruchtbarsein. Der Stein, er weicht. Der Buckel am Mann, er bricht. Am Prügel hat er sich aufgericht.

Es kommt die Frucht eines toten dinglichen Leibs. Der Leib wird weit reine Körperlichkeit und gebiert einen Kern als scheinbar fruchtbaren Grund. Daher der Vorfahr als fruchbarer Grund und wieder kommender Sinn. Vor der Herrschaft der Zeichen gab es weder Grund noch Sinn. Der Körper wird mit den Zeichen grenzenlos, Grund und Sinn sind nur ein Rest von Leben und Leib dabei.

Der Mann setzt zwar Zeichen aus gebrochenem Stein und Krücke, Halt und Griff. Aber er ist nur ihr Subjekt und wird es immer bleiben. Gebrannter Stein, vom Feuer des Geistes gezeugtes Sein, Brot, gebrochen, der Erde entwunden, gemahlene Frucht, zerrissene Fruchtbarkeit des Leibs, Handel geteilt und getauschte Arbeit, machen sich das männliche Subjekt zum Herrn. Ist das denn ein wirklicher Herr, der immer nur gewalttätig sein kann gegenüber den eigenen und allen fremden Leibern? Nein! Der Mann ist immer nur Subjekt der Zeichen. Die Welt ist verwandelt in Zeichen Grund der Herrschaft des Mannes.

Der Frau ist das gleich. Sie ist erst Herrin, dann Opfer, doch immer reiner Leib. Alle Zeichen sind ihr Leib. Wie also soll sie den fremden Gang der Dinge begreifen? Selbst der fremde Gang ist ihr noch etwas von ihrem Leib: eine ungeheuer ferne fremde Welt oder aber ein Ungeheuer in der nahen vertrauten.

In der Welt der Zeichen Waren Werte Gegensätze, in versteckter Arbeit Schmarotzertum Ausbeutung entstehen viele neue Gedanken sublime Gefühle Vorstellungen, die bildhaft an allen Dingen kleben. Die einstmals belebten Dingen zerfallen nun in Wert und Begriff. Der Begriff ist ein Eigentum des Dings, sein Anspruch auf wahres Sein, sein NennWert. Jedes Ding will von sich aus benannt und bewertet werden. Die Sinne des Menschen verkennen sich im Sinn der Dinge, sind reine Ausführungsorgane der dinglichen Welt. Die WarenWelt steuert und der menschliche Leib hängt hilflos an den eigenen Nervenfäden zum fremden Gebrauch, ist in Nervenfesseln hilflos hingehängt dem Missbrauch.

Begierde und Wollust bewegen den Leib. Liebe Lust Fortpflanzung aber bewegt und mehrt allein tote Dinge.

Unbegrenzt weite Fortpflanzung und Massenmord sind ganz und gar eins, beides sublime Prozesse in der Welt der Zeichen. Die Liebe als blöde Vorstellung erkennt sich irgendwann im Nachhinein wieder im Massenmord und bittet natürlich um Verzeihung. Aber es gibt weder Liebe und Reue noch gibt es jemals Verzeihung. Liebe + Hass, der vernichtet, Reue + Verzeihung, sind dem Leib ein großes Einerlei fremder Begriffe. Das ist ein Stück im Theater, das ewig sich wiederholt. Der Leib ist beleidigt dadurch. Wer immer sich fremde Arbeit aneignet und Blut fremdes Leben also reduziert und vernichtet, verliert notwendig das eigene: seine Hinrichtung gehört zwingend zur uranfänglichen menschlichen WiderNatur.

Der Leib dreht sich noch einmal das Hirn zurecht. Er ist es, der die Nervenfäden zieht und die Dinge lenkt. Er ist ein ehrlicher Henker dem Geist.

Durch das Mitleid wird der Mensch vom Theaterstück für den falschen Bühenaffekt eingefangen. Auf der Bühne entschuldigt sich das zuschauende Bürgertum selbst. Es bemitleidet sich: es hat seine Scheinaffekte und erspart sich den Leib. Der Leib ist ein schlimmer Rest, wund im Geheimen und finster und furchtbar schlimm grausam im Verborgenen.

Gott und Geist sind unehrliche Hinrichter und schrecklicher Missbrauch dem Leib.

Hiermit verurteile ich den verlorenen Sohn nicht zu Liebe und Reue Verzeihung, sondern zum Tode. Soll er sich selbst im Urteil richten und endlich aus seinem Leib austreten aus dem Leben und sich scheiden, lassen von Familie und fahren vom Weib in die Säue.

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