Samstag, 11. April 2015

Praktischer Idealismus

Mit Sicherheit vielgeliebt und unglaublich freundlich ungeladen ist die Lehre vom praktischen Idealismus, Idealismus mit Bezug auf den Leib ohne Geist und Schein. Gibt es nicht: Geist ist Sein im GeldSchein. Wenn der Geist oder GeldSchein in den Leib fährt, entsteht das kranke Ich: ein Ich mit krankem Leib. Aber das Ich ist der Wurm drin. Der Wurm ist ein Abgesandter der Herrn. Der Herr ist das Kapital ÜberHimmel. Man muss mit dem Wurm also das Ich aus dem Leib reißen, dann fährt Gott in die Säue. Ich: ist Gott in der Sau. Freier Leib ganz ohne Willen wird man durch die Bewegung des Leibs und nicht im Flug, an der Wirklichkeit vorbei, nicht durch Liebe und Sinn für Schönheit, nicht durch Höflichkeit, Schmetterlings-Geflatter von Blümchen zu Blümchen, Anbetung und KinderGeschrei.

Philosophischer Idealismus und simpel praktischer sind für mich eins. Der praktische fordert einen Himmel auf Erden ohne Rücksicht auf das dafür erforderliche System der Sklaverei.

Glücklich ist der Mensch nur übersatt auf Kosten der Masse der Hungernden. Da ist er übersatt und voller Liebe für ein Sein, das nichts weiß von der leiblichen Wirklichkeit. Das ist die wahre Liebe: ein Ich gläubiger Freude in einem kranken fetten Leib. Der Leib muss den Hunger teilen, da ist er den Geist los. Lasst doch die Hungernden der Welt bei euch sein. Das ist der letzte Schritt zur Befreiung vom dämlichen EinMannGott. Lasst die Hosen runter, reißt alle Grenzen ein: mein Ich will noch sehen wie stark euer Gott ist.

Reichtum kann man nicht teilen. Das ist das Ende auch des praktischen Idealismus. Der praktische Idealismus ist eine Räuberei ohne Grundbesitz und Kapital. Er ist der Grund des Staats. Jeder seiner Bürger profitiert von der Räuberei. Heute versklavt man die Welt mit Krediten. Und die Glaubwürdigkeit wird vom Militär vor und nach der Kreditvergabe geprüft: staatliche Inquisition.

Die sogenannten Staaten der Zweiten (=Dritten und Vierten) Welt sind keine Staaten, sondern Selbstbedienungsläden der fremden Reichen (Staaten der ersten Welt).

Praktischer Idealismus: schönes Sein für die armen Reichen und Spott und Hohn für die Armen im hässlichen Graus.

Den stärksten Glauben haben die Christen bei uns im Schlauaffenland, die wir der fernen Hölle im Grausland haben zu uns entfliehen lassen. Lasst die armen Kindlein herein und uns den goldhellen reinen Idealismus zeigen.

Dem Leib ist jeder Idealismus durchsichtig.

Die eine große Sorge bleibt dem letzten Idealisten: das Versagen im Alter und der Tod. Schreibt er nicht dagegen an? Ist er wesentlich Schreibe? Oder ist er wirklich nur Leib?

Wie weit sind Höflichkeit und Öffentlichkeit auseinander? Genauso weit wie Absicht und Zwang. Die Öffentlichkeit ist dem - immer falschen - Bewusstsein ein innerer Zwang, die freundliche Höflichkeit aber äußerer. Der Wille ist ein Äußerer! Es gäbe sonst ja nicht die Gemeinsamkeit der Lüge bei der Identifikation: gemeinsam sind wir stark und grundlos Gewalttäter.

Ich schreibe nicht, sondern wende mich an die Schrift. Die Schrift ist unser Material der Wirklichkeit. Schreibend brauche ich sie auf. Ich vernichte sie und mich. Ich wickle meinen Leib aus ihr aus. Einen Leser brauch ich nicht einmal nebenbei. Ich bin kein Autor. Auch den Gegenwillen hab ich nur schriftlich. Autor und Leser sind nützlich und nicht Teil meiner Welt außerhalb der Schrift. Ich reiß sie mir mit der alten Haut vom Leib. Ich hab keine gläserne Hülle als Einsicht mehr über dem Leib.

Ich könnte eine neue Grammatik schreiben. Da wär ich ein weiterer saudummer Diener der Schrift.

Seltsam scheinbar ist die Abwertung des philosophischen durch den praktischen Idealismus: es steht die große Not vor der Tür und plötzlich darf alle menschliche Güte ein Ausgleich sein für die kleinen Nöte des Leibs. An der Großen Not, die jetzt kommt, scheitert jeder Idealismus, jeder Glaube.

Anti-Idealismus oder Leiblichkeit: Mann geht zur Hure (und zahlt) - Frau nimmt sich einen Verführer (mann fällt herein). Die Umständlichkeit macht der Libido Kraft. Die Hure hat keine bei der Arbeit und Ehe mit simplem Koitus ist? Langeweile Putzlappen-Erotik.

Idealismus hat auch sein Gutes: die Eitelkeit, die sich äußert in Stolz und Schönheit. Ein guter Geist will einen rechten Leib. Krüppel sind keine Idealisten sondern Heimlichtuer und Gläubige (Christen).

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